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Medicanes: Tropische Stürme im Mittelmeer

Medicanes: Tropische Stürme im Mittelmeer

Als Medicane bezeichnet man subtropische und tropische Tiefdruckgebiete im Mittelmeerraum. In den kommenden Tagen deuten manche Modelle auf die Entwicklung eines Medicanes über dem Tyrrhenischen Meer hin.

Der Mittelmeerraum ist vor allem im Winterhalbjahr eine regelrechte Brutstätte von Tiefdruckgebieten. Dies ist einerseits der Lage des Mittelmeers zwischen den mittleren Breiten und den Subtropen zu verdanken, andererseits auch der zahlreichen, angrenzenden Gebirgsketten, die den Prozess der Tiefdruckentwicklung begünstigen. In der Regel entstehen Tiefdruckgebiete über dem Mittelmeer im Zuge von Kaltluftvorstößen, welche von Tiefs der mittleren Breiten eingeleitet werden. Diese Tiefdruckgebiete weisen im Gegensatz zu tropischen Tiefs einen kalten Kern auf und besitzen Warm- und Kaltfronten.

Medicanes

Unter bestimmten Bedingungen können sich auch im Mittelmeerraum subtropische oder gar tropische Tiefdrucksysteme entwickeln. Obwohl sie die Stärke eines Hurrikans der Kategorie 1 nur in absoluten Ausnahmefällen erreichen, werden sie Medicanes (Mediterranean hurricane) genannt. Sie treten vor allem im Herbst auf und dann bevorzugt im Bereich der Balearen und über dem Ionischen Meer. In den meisten Fällen entstehen sie in Folge von Kaltlufteinbrüchen im Mittelmeerraum und werden durch zurückbleibende Höhentiefs begünstigt. Ähnlich wie bei tropischen Tiefdruckgebieten stellt die Kondensation des Wasserdampfs in den Gewitterwolken die treibende Kraft dar (begünstigt durch die Temperaturunterschiede zwischen der Meeresoberfläche und der Luft).

Aktueller Fall

In diesen Tagen deuten manche Modelle auf die Entwicklung eines Medicanes über dem Tyrrhenischen Meer. Aktuell sind dort bereits kräftige Gewitter entstanden (siehe Satellitenbild). Im Gegensatz zu den meisten Medicane-Entwicklungen gab es in diesem Fall aber keinen vorangehenden Kaltlufteinbruch und damit auch kein abgeschlossenes Höhentief über dem Mittelmeerraum. Die Unsicherheiten sind noch groß, das Potential für die Entwicklung eines tropischen Tiefs ist aber vorhanden. Vor allem an der Südostküste Sardiniens drohen somit ab Donnerstag stürmische Böen und gewittriger Starkregen.

Über dem Mittelmeer entwickelt sich ein Medicane
Satellitenbild und Blitze am Mittwoch um 7 Uhr. © EUMETSAT / UBIMET

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Titelbild: Medicane Qendresa im 2014 (© NASA/ EOSDIS)

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