Hochsommer im März: Die Rekord-Hitzewelle in den USA
Der Auslöser für diese Frühlingshitzewelle war ein ausgedehntes Hochdruckgebiet, das sich über dem Südwesten der USA festsetzte und schlicht kaum vom Fleck kam. Bildlich kann man sich das wie eine Hitzeglocke über der Region vorstellen, im Englischen spricht man von einem Heat Dome.
Das Prinzip dahinter ist schnell erklärt: In einem solchen Hoch sinkt Luft von oben nach unten ab, wird dabei komprimiert und diese Kompression erzeugt Wärme, ähnlich wie beim Aufpumpen eines Fahrradreifens. Wolken lösen sich auf, die Sonne trifft ungefiltert auf den Boden. Herannahende Tiefdruckgebiete werden abgeblockt und um das Hoch herumgeleitet. Kein Ausweg für die heiße Luft, Tag für Tag heizt sich die Region weiter auf.
What does a #HeatDome look like on satellite?
This water vapor imagery from @NOAA's #GOESWest (#GOES18) 🛰️ shows you!Learn more about the historic March heatwave baking the western U.S. in our #SatelliteSnapshot:https://t.co/MNVDvVh1fp pic.twitter.com/8fGnoUmCzx
— NOAA Satellites (@NOAASatellites) March 19, 2026
Solche Heat Domes sind im Südwesten der USA keine Seltenheit, sie gehören zum Sommer dazu. Was dieses Ereignis so außergewöhnlich machte: Es war das stärkste, das in dieser Region je im März beobachtet wurde.


Von der Wüste bis in die Prärie
Die Hitzeglocke wanderte langsam ostwärts und zog dabei immer weitere Teile des Landes in ihren Bann. Am Ende verzeichneten insgesamt 14 Bundesstaaten ihren heißesten Märztag seit Aufzeichnungsbeginn: Kalifornien, Arizona, Nevada, Utah, Colorado, New Mexico, Wyoming, Nebraska, Kansas, South Dakota, Missouri, Iowa, Minnesota und Idaho. Bemerkenswert dabei: An manchen Stationen waren wenige Tage zuvor noch Minusgrade gemessen worden. In der Kleinstadt Chanute im Bundesstaat Kansas zeigte das Thermometer am 16. März noch minus 10 Grad, vier Tage später waren es bereits über +30. Der amerikanische Wetterdienst NWS zählte zwischen dem 15. und 26. März über 100 Stationen, die neue März-Temperaturrekorde verzeichnet hatten. Die endgültige Zahl dürfte nach vollständiger Auswertung noch höher liegen.

In Phoenix stand am 27. März der Zähler bei zehn aufeinanderfolgenden Tagen mit mindestens 35 Grad. Der bisherige März-Rekord lag bei fünf solchen Tagen in Folge, er wurde damit schlicht verdoppelt. Noch bemerkenswerter: Der neue März-Rekord von 40,6 Grad wurde gleich dreimal erreicht, an drei aufeinanderfolgenden Tagen vom 19. bis 21. März.

In Downtown Los Angeles wurden über 35 Grad gemessen, in Burbank 37 Grad, in Woodland Hills sogar 38 Grad.

Die untenstehende Karte zeigt das ECMWF-Ensemble-Mittel der 2-Meter-Temperaturanomalie für den Zeitraum 25. bis 30. März. Das tiefe Rot und Pink über dem Südwesten steht für Abweichungen von 16 Grad und mehr vom langjährigen Mittel, nicht an einzelnen Stationen, sondern flächendeckend über Kalifornien, Nevada, Arizona, Utah und Colorado. Selbst weiter nördlich, bis nach Montana und Wyoming, lagen die Anomalien noch deutlich im positiven Bereich.

Was die Hitze angerichtet hat
In Arizona wurden Wanderwege gesperrt, weil die Hitze für unvorbereitete Touristen schlicht lebensgefährlich gewesen wäre. Sportveranstaltungen wurden abgesagt oder verschoben.
The Arizona desert community of Martinez Lake hit 110 degrees Fahrenheit, breaking the record for the highest March temperature ever recorded in the U.S. https://t.co/fyZeQ5O10k
— The Associated Press (@AP) March 20, 2026
Dazu kam die Waldbrandgefahr. Die wochenlange Trockenheit in Kombination mit der extremen Hitze und Wind ließ das Grasland ausdörren. In Nebraska, Wyoming, Kansas und Oklahoma gab der nationale Wetterdienst entsprechende Warnungen der zweithöchsten Stufe heraus.
Einen schwachen Trost gab es immerhin: Die Luftfeuchtigkeit war deutlich niedriger als bei sommerlichen Hitzewellen. Für den menschlichen Körper macht das einen erheblichen Unterschied, denn schwüle Hitze ist weitaus belastender für den Organismus als trockene.
Der Schnee in den Rocky Mountains und der Sierra Nevada ist Wochen zu früh geschmolzen. Mit Anfang April wird in vielen Regionen der Rocky Mountains der niedrigste Schneevorrat aller Zeiten gemessen werden und dieser Schnee fehlt als Wasserreserve im Sommer, wenn die Trockenheit einsetzt und die Waldbrandgefahr steigt.
Besonders hart trifft das den Westen der USA, der ohnehin seit Jahren mit Wasserknappheit kämpft. Der Colorado River, das wichtigste Reservoir der Region, ist bereits auf einem historischen Tiefstand.
The snowpack in the Western U.S. is all but gone.
It is supposed to be at it's annual peak this week. pic.twitter.com/Qs7zZ6pN5H
— Edgar McGregor (@edgarrmcgregor) March 23, 2026
Rolle des Klimawandels
Die Frage die sich stellt: Hat der Klimawandel damit zu tun? Die kurze Antwort lautet ja. Forscher des unabhängigen Netzwerks World Weather Attribution (WWA), das auf solche Schnellanalysen spezialisiert ist, kamen zu einem eindeutigen Ergebnis: Eine Hitzewelle dieser Stärke wäre ohne den vom Menschen verursachten Klimawandel im März praktisch unmöglich gewesen. Die globale Erwärmung hat die Temperaturen im Mittel um rund 2,6 Grad erhöht. Klingt erstmal nach wenig, ist es aber nicht. Bei einem bereits extremen Ereignis kann genau dieser Unterschied darüber entscheiden, ob Rekorde gebrochen oder pulverisiert werden.
Noch deutlicher wird es bei den Zahlen zur Häufigkeit. Die Wahrscheinlichkeit eines solchen Ereignisses hat sich laut WWA in den vergangenen zehn Jahren um den Faktor 800 erhöht. Die USA verzeichnen heute knapp 77 Prozent mehr Hitzerekorde als noch in den 1970er Jahren und knapp 20 Prozent mehr als in den 2010er Jahren.
Historische Einordnung
Die wohl bekannteste Hitzewelle der amerikanischen Geschichte sind die Dust-Bowl-Sommer der 1930er Jahre, als weite Teile des Mittleren Westens jahrelang unter extremer Trockenheit und Hitze litten. Die Temperaturen damals waren in manchen Regionen höher als im März 2026, aber jene Ereignisse spielten sich im Hochsommer ab, über mehrere Monate verteilt.
Der direkteste Vergleich ist die Hitzewelle im Pazifischen Nordwesten im Juni 2021, als die kanadische Stadt Lytton 49,6 Grad erreichte und allein in British Columbia über 600 Menschen an den Folgen der Hitze starben. Jenes Ereignis gilt seither als Maßstab für Extremwetter jenseits jeder historischen Erfahrung. Der März 2026 reiht sich in dieselbe Kategorie ein, mit einem entscheidenden Unterschied: Er kam im Frühling, zu einer Zeit, zu der niemand damit rechnet.
Ausblick
Die schlimmste Hitze hat inzwischen nachgelassen. Pazifische Tiefdruckgebiete haben die Hitzeglocke diese Woche aufgebrochen, die Temperaturen sind auf normalere Werte zurückgegangen. Die Folgen der wochenlangen Trockenheit und Hitze werden den Westen noch länger begleiten, bei der Wasserversorgung, bei der Waldbrandgefahr, bei der Landwirtschaft.
Dazu zeichnet sich im Pazifik ein weiterer Faktor ab. Klimawissenschaftler beobachten derzeit die Entstehung eines El Niño, der sich im Laufe des Jahres zu einem starken Ereignis entwickeln könnte. Das würde bedeuten: mehr Wärme, mehr Trockenheit, eine längere und intensivere Waldbrandsaison für den Westen der USA.
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